Vom Bullshit-Bingo zurück zur Realität: Warum KI keine schlechte Software rettet.


3.6.2026

„Wir müssen irgendwas mit KI machen!“ – Ein Satz, den ich als Unternehmensberater und Softwareentwickler in den letzten Monaten gefühlt in jeder zweiten Etage höre.

Um uns herum tobt ein gigantischer Marketing-Krieg. Tech-Startups überbieten sich mit Heilsversprechen, werfen mit Begriffen um sich, die kaum einer versteht, und brennen vor allem deshalb so aggressiv im Vertrieb, weil bei ihnen langsam der Break-even kommen *muss*. Die Investoren machen Druck.

Das Ergebnis? Panik bei den Unternehmen auf der einen Seite, völlige Überforderung auf der anderen. Und jede Menge Software, die das Label „KI-gestützt“ trägt, aber am Ende des Tages kein echtes Problem löst.

Die ungeschminkte Wahrheit nach 14 Jahren Softwareentwicklung:

Der Markt ist betäubt vom Lärm. Aber die Ernüchterung setzt bereits ein. Unternehmen merken, dass die teuer eingekauften „KI-Wunderwaffen“ im Alltag halluzinieren, unzuverlässig sind oder schlicht am Bedarf der Mitarbeiter vorbeigehen.

Warum? Weil Code durch Tools wie Copilot & Co. zwar billig und schnell geworden ist – aber Code war noch nie das eigentliche Problem.

  • Eine KI schreibt Code. Sie versteht aber keine Prozesse. Sie geht nicht zum Handwerksmeister oder in die Logistikabteilung und begreift, warum der Mitarbeiter ein Tool trotz iPad am Ende doch nicht nutzt.
  • Eine KI übernimmt keine Haftung. Wenn das System abstürzt oder Daten verfälscht werden, steht der Betrieb still. Unternehmen zahlen für Sicherheit, Support und Verlässlichkeit – nicht für Prompts.
  • KI ist ein Werkzeug, kein Geschäftsmodell. Ein effizienter Hammer macht aus einem Laien noch keinen Zimmermann.


Was wir jetzt brauchen, ist der Blick des Pragmatikers.


Wir müssen aufhören, den Hype anzubeten, und wieder anfangen, echte Probleme zu lösen. Der wahre Wert von Software liegt nicht in der Programmiersprache oder der Komplexität des Algorithmus. Er liegt im tiefen **Domain-Wissen** und in der **Lebenserfahrung** der Menschen, die die Brücke zwischen Technik und realer Arbeitswelt schlagen.

Man braucht keine 20 Jahre KI-Forschung im Lebenslauf, um Unternehmen heute digital nach vorne zu bringen. Man braucht den Mut, den Bullshit zu filtern und zu sagen:
„Lasst uns schauen, wo bei euch im Betrieb wirklich die Zeit wegläuft. Wenn eine KI-Schnittstelle dabei hilft, super. Wenn eine saubere API-Anbindung oder eine schlichte, logische Tabelle reicht, dann machen wir das.“

Am Ende des Tages ist dem Kunden völlig egal, ob KI im Hintergrund läuft. Hauptsache, die Zettelwirtschaft verschwindet und das System funktioniert, wenn man auf den Knopf drückt.

Weniger Hype. Mehr Handwerk.